Impulstag „Aufhören – und gut“

Annette Karwath, Christl Schäfer-Geiger und Thomas Geiger (v.l.n.r.)
Bildrechte Andreas Karwath

Unsere Pfarrei beim Impulstag „Aufhören – und gut.“ in Bamberg. 

Projekt „Fünf auf einem Weg“ vorgestellt

Die Pfarrei Hersbruck-Sittenbachtal hat am Impulstag „Aufhören – und gut.“ in Bamberg teilgenommen. Veranstaltungsort war der Stephanshof der St. Stephan-Kirche, der sich an diesem Tag mit rund 200 Teilnehmenden aus Gemeinden, Dekanaten und kirchlichen Arbeitsfeldern in einen offenen Denkraum verwandelte. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Zukunft gestaltet werden kann – nicht durch ständiges Mehr, sondern durch ein bewusstes Weniger.

Der zentrale Impulsvortrag von Gudrun Töpfer, Arbeits- und Organisationspsychologin, setzte hierfür einen markanten Akzent. Mit Klarheit, Humor und zugleich großer Ernsthaftigkeit führte sie die Teilnehmenden in ein Schlagwort ein, das kaum jemand kannte: Exnovation. Während „Innovation“ neue Ideen hervorbringt, beschreibt Exnovation den umgekehrten Prozess – das Loslassen, Verlernen, Beenden, Eliminieren oder Ausschleichen von Dingen, die einst hilfreich waren, nun aber mehr belasten als nützen.

Töpfer verdeutlichte, dass Organisationen – ebenso wie Menschen – Gefahr laufen, immer nur dazuzupacken: neue Aufgaben, neue Programme, neue Strukturen. Vieles davon sei gut, manches sogar notwendig. „Aber irgendwann“, so Töpfer, „wird es zu viel. Wir sind gut im Neuen geworden – aber das Alte lassen wir nicht los.“ Exnovation hingegen frage nach der Essenz: Was ist wirklich notwendig? Was darf gehen? Was wird selektiv fortgeführt?

Gudrun Töpfer
Bildrechte Thomas Geiger
Gudrun Töpfer

Anhand von Beispielen aus der Wirtschaft zeigte sie, wie Unternehmen bewusst Abschied von erfolgreichen, aber überholten Produkten nehmen. Auch ihr Bild vom vollgestellten Keller, den man ausräumt, traf einen Nerv: Oft wisse man gar nicht mehr, was sich alles darin angesammelt hat. „Aufräumen heißt Zeit investieren, Grenzen ziehen, Nein sagen – und das ist anstrengend.“ Doch ohne diese Mühe bleibe eine Organisation handlungsunfähig.

Der Vortrag stieß bei vielen Teilnehmenden auf breite Zustimmung. Gleichzeitig war er ein deutlicher Spiegel für die gegenwärtigen Entwicklungen in der Kirche. Auch kirchliche Strukturen stehen vor der Aufgabe, sich zu verschlanken und Überholtes loszulassen. In diese Dynamik fügte sich an diesem Tag die Verabschiedung des bisherigen Ehrenamtspreises ein – ein Programm, das lange als innovativ galt und nun beendet wurde.

In der anschließenden Diskussion meldete sich eine Ehrenamtliche aus dem Publikum zu Wort. Sie würdigte den Vortrag, äußerte jedoch Kritik am kirchlichen Umgang mit notwendigen Einsparungen. Es sei „ehrlicher“, so ihre Einschätzung, offen zuzugeben, dass finanzielle Gründe hinter manchen Entscheidungen stehen. Das Weglassen in einer Aktion positiv zu rahmen, könne den Eindruck erwecken, dass die bisherige Arbeit der Ehrenamtlichen nicht ausreichend wertgeschätzt werde.

 

Trotz dieser kritischen Anmerkungen zeigte der Impulstag eines sehr deutlich: Exnovation ist kein Verlustprogramm, sondern ein Zukunftsprozess. Die Frage, was bleiben darf und was gehen muss, bewegt viele Menschen in der Kirche – und der Tag in Bamberg hat hierzu wichtige Denkanstöße gegeben.

Für die Pfarrei Hersbruck-Sittenbachtal haben Annette Karwath, Christl Schäfer-Geiger und Thomas Geiger (Im Bild v.l.n.r.) teilgenommen. Gemeinsam brachten sie das Projekt „Fünf auf einem Weg“ ein – ein Prozess, bei dem es darum geht, das Aufhören mit dem Kirchturmdenken aktiv zu gestalten. In zwei Vorträgen und Präsentationen stellten sie die Ausgangssituation vor der Pfarreibildung dar, beschrieben die sehr unterschiedlichen Kirchgemeinden im Verbund und zeigten auf, wie aus Vielfalt Zusammenarbeit entstehen kann, wenn man sich traut die eigene Gemeinde zu verlassen. In all den stattgefundenen Gottesdiensten seien sich Menschen näher gekommen, die sich sonst eventuell nicht getroffen hätten. Gleichzeitig gingen die drei aber auch darauf ein, dass eine Pfarreibildung von fünf Gemeinden mit einem Pfarramt auch eine „logistische“ Herausforderung ist, die sich einspielen muss auf allen Seiten.

Das Projekt „Fünf auf einem Weg“ machte neben weiteren anderen sichtbar, wie dieser Gedanke nicht als Abbau gesehen wird, sondern als bewusster Schritt hin zu mehr Miteinander, gegenseitiger Verantwortung und neuen Formen kirchlichen Lebens.

Christl-Schäfer-Geiger