Es war noch dunkel, als sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Osternacht an der Friedhofshalle trafen. In der Stille der Nacht stand dort die Osterkerze mit einer kleinen Flamme und erleuchtete einen Korb mit Steinen, von denen sich jede und jeder einen nahm. Gemeinsam machte sich die Gemeinde anschließend auf den Weg zur Kirche. Der Zug wurde von der Osterkerze angeführt und endete im dunklen Kirchenraum. Dort wurde das Thema der Osternacht deutlich: „Einen Stein ins Rollen bringen“.
Alle waren eingeladen, zum Taufstein zu kommen – mit ihrem Stein für das, was belastet, und mit einer Kerze als Zeichen des Lichts, das Gott in jeden von uns durch Jesus Christus gelegt hat. Am Taufstein konnten die Steine abgelegt und ein Kreuzzeichen empfangen werden – als spürbare Erinnerung: Gott kennt uns und sagt Ja zu uns. Bei der Tauferinnerung sprach Barbara Weider jedem persönlich dieses Zeichen zu und machte so die Zusage Gottes erfahrbar.
Vor dem Altar lag ein großer Stein, der an den Stein vor dem leeren Grab Jesu erinnerte. In einer Andacht sprach Christl Schäfer-Geiger über Steine, die ins Rollen gebracht werden: „Manchmal braucht es nur einen kleinen Anstoß – und etwas gerät in Bewegung.“
Wer in den Bergen unterwegs ist, kennt es: Ein Stein kommt ins Rutschen und plötzlich setzt sich mehr in Bewegung, als man wollte. So kann es auch im Leben sein – im Guten wie im Schlechten. Unbedachte Worte oder Entscheidungen können eine Dynamik auslösen, die schwer aufzuhalten ist. Doch genauso beginnt auch viel Gutes im Kleinen: ein freundliches Wort, ein erster Schritt zur Versöhnung, ein mutiger Entschluss. Was klein anfängt, kann große Kreise ziehen.
Als sichtbares Zeichen rollten die beiden Prädikantinnen den Stein weg und ein geschmückter Altar kam dahinter zum Vorschein. Danach wurde es hell in der Kirche und die Gemeinde stimmte in den österlichen Lobpreis ein.
Die Osternacht erinnert daran: Es gibt keinen Stillstand – und Gott selbst bringt Leben ins Rollen. Der Stein vor dem Grab war weg. Was wie ein Ende aussah, wurde zum Anfang neuen Lebens. So stellt sich die Frage: Welchen Stein möchte ich ins Rollen bringen – und welchen Stein darf Gott für mich wegnehmen? Oft braucht es nur einen kleinen Schritt, und Gott lässt daraus Neues wachsen.
Nach dem Segen klang die Osternacht beim gemeinsamen Osterfrühstück aus.
Ein ganz großer Dank geht an alle, die diese Osternacht mitgestaltet haben.
Christl Schäfer-Geiger
