Orgelmusik zur Mittagszeit

Wenn die Orgel der Hersbrucker Stadtkirche am Samstag, 3. Oktober um 11 Uhr für eine halbe Stundeerklingt, verbinden sich in einem besonderen Konzertprogramm zwei Welten der Barockmusik: die geordnete, klare Harmonik von Johann Pachelbel und die tiefgründige, emotionale Kraft von Johann Sebastian Bach. Das Programm stellt das berühmte Präludium in c-Moll(BWV 546, 1) Bachs in den Mittelpunkt und rahmt es mit Werken des Komponisten Johann Pachelbel, der Bachs Lehrer war und dessen Stil den jungen Johann Sebastian maßgeblich prägte. 

Johann Pachelbel (1653–1706) gilt als einer der wichtigsten Komponisten des deutschen Barock. Seine Ciacona in D-Dur (oft auch als Chaconne bezeichnet) und seine Fantasia in Es-Dur stehen für den klaren, melodischen und harmonisch durchsichtigen Stil, der vor allem in Thüringen und Franken Schule machte. Die Ciacona nutzt die traditionelle Form einer Variationssatzfolge über einem sich wiederholenden Bass, um eine Atmosphäre der konzentrierten Feierlichkeit zu erzeugen. Die Fantasiahingegen zeigt Pachelbels Virtuosität im freien, improvisatorischen Satz, der durch schnelle Läufe und eine reiche Stimmführung besticht.

Im Zentrum der Mittagsmusik steht jedoch Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in c-Moll, BWV 546. Entstanden in Bachs Leipziger Zeit (ca. 1723–1729), gilt das Präludium als eines der monumentalen Meisterwerke der Orgelliteratur. Im Gegensatz zur klaren Struktur Pachelbels eröffnet Bach ein weites, fast dramatisches Klangfeld. Das Präludium beginnt mit einem markanten, fast schreitenden Motiv, das sich in einer Fughetta weiterentwickelt, bevor es in eine riesige, chromatisch geführte Orgel-Fuge mündet, die das gesamte Register der Orgel fordert.  

Organist Maximilian Hutzler, Kirchenmusiker an Maria Himmelfahrt Stuttgart-Degerloch

Die Verbindung der Werke ist mehr als nur ein historischer Rückblick. Pachelbel war der Onkel väterlicherseits von Bachs späterer Ehefrau Anna Magdalena und ein enger Freund der Familie. Bach studierte intensiv die Werke Pachelbels, und man hört in der strengen Handwerkskunst von Pachelbels Ciacona die Wurzeln, aus denen später Bachs komplexe Polyphonie wuchs. Während Pachelbels Fantasia noch im Stil der freien Improvisation verankert ist, zeigt Bachs Präludium die vollendete Kunst der durchkomponierten Form.

Das Konzert verspricht somit nicht nur eine musikalische Reise durch zwei Epochen des Barock, sondern auch einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Orgelmusik in Deutschland. Von der klaren Ordnung Pachelbels hin zur erhabenen Komplexität Bachs – ein wunderschöne halbe Stunde Orgelmusik mit dem Organisten Maximilian Hutzler für Kenner und Neueinsteiger gleichermaßen. Der Eintritt ist frei.