Wer nicht genießt, ist ungenießbar

Sr. Teresa Zukic in der Thomaskirche
Bildrechte Thomas Geiger

Ein Abend in der Thomaskirche in Altensittenbach mit der katholischen Ordensschwester Teresa Zukic.

„Sie bekommen von mir noch eine Aufgabe bevor Sie nach Hause gehen“, endet Schwester Teresa ihren Vortrag in der Thomaskirche. „Sie gehen jetzt nach Hause und umarmen erst mal jemanden ganz fest. Und morgen lächeln Sie einen Menschen herzlich an. Wenn er dann fragt, warum Sie das tun, dann sagen Sie: „Ich bin aus Altensittenbach und wir sind so!“

Mit viel Humor, Lebensweisheit und einer klaren Botschaft begeisterte Schwester Teresa Zukic die Besucherinnen und Besucher ihres Vortrags in der Thomaskirche in Altensittenbach. Eingeladen hatte die Kirchengemeinde gemeinsam mit Prädikantin Barbara Weider. Der Abend stand unter dem Titel „Wer nicht genießt, ist ungenießbar“ – Das Leben bewusst wahrnehmen, dankbar sein und den Augenblick genießen. Musikalisch umrahmt wurde der Vortrag vom Posaunenchor Altensittenbach, der, unter der Leitung von Wolfgang Werthner, Lieder zum Mitsingen begleitete und lebhafte Musikstücke zum Zuhören präsentierte.

Die Ordensschwester spannte an diesem Abend den Bogen von persönlichen Erfahrungen bis hin zu Glaubensfragen. Besonders geprägt habe sie eine schwere Krankheit. Seitdem sei ihr bewusst geworden, wie wichtig es ist, nichts aufzuschieben, sondern im Hier und Jetzt zu leben. „Wenn ich nicht gut mit mir umgehe, kann ich auch nicht gut mit anderen umgehen“, lautete eine ihrer zentralen Aussagen.

Immer wieder sprach sie davon, wie viel Schönes Menschen oft übersehen: die Natur, Begegnungen, Liebe und die Fähigkeit, mit allen Sinnen zu leben. Dabei zog sie auch Parallelen zur Bibel. Bei den Pharisäern sei oft das Äußere entscheidend gewesen, bei Jesus dagegen die innere Haltung des Menschen.

Mit einer nachdenklichen Geschichte verdeutlichte Schwester Teresa, worauf es im Leben wirklich ankommt. Nach ihrer Genesung habe sie jemanden gefragt, was er sich am meisten wünsche. Die Antwort lautete: ein Lottogewinn von 90 Millionen Euro. Doch statt Anerkennung zu zeigen, stellte sie Fragen: Wem würde man davon erzählen? Wo zahlt man es ein? Wie schützt man die Kinder? Für Schwester Teresa zeigt sich darin, dass Reichtum allein nicht glücklich macht.

Die bessere Alternative sei es, „Spuren zu hinterlassen“. Zeit mit wichtigen Dingen zu verbringen, über eigene Fehler lachen zu können, sich selbst anzunehmen und andere Menschen zu loben. Wer das schaffe, verliere das Selbstmitleid und finde Geborgenheit.

"Gott liebt dich", der zentrale Satz, den man sich immer wieder sagen darf. Diese Botschaft könne Menschen verändern. Und zum Genießen gehöre auch der Humor. „Lachfalten sind besser als Sorgenfalten“, sagte sie augenzwinkernd. Mit ihren Witzen und ihrer herzlichen Art brachte sie die gut gefüllte Kirche immer wieder zum Lachen – oft lachte sie selbst am lautesten mit. „Ärger macht alt und hässlich, und das können wir uns nicht leisten“, sagte sie und sorgte damit erneut für Heiterkeit.

Auch das gemeinsame Essen spielte in ihrem Vortrag eine Rolle. Jesus habe Gemeinschaft oft beim Essen erlebt, erklärte sie. Gott sei Gastgeber für die Menschen. Deshalb habe sie neben zahlreichen anderen Büchern auch Kochbücher geschrieben. Die Vielfalt der Lebensmittel auf der Welt sei für sie ein Geschenk Gottes – ein Stück „Garten Eden“, das den Menschen geblieben sei.

Schwester Teresa Zukic präsentierte sich als lebensfrohe, tatkräftige Persönlichkeit mit großer Erfahrung und tiefer Spiritualität. Ihre Worte wirkten authentisch und lebensnah. Zum Abschluss appellierte sie an die Zuhörerinnen und Zuhörer: „Machen Sie sich einen Plan, was Sie noch erleben wollen – und verlassen Sie die Kirche anders, als Sie gekommen sind. Leben Sie jetzt.“

Christl Schäfer-Geiger